Gesundheitsnachrichten

Bei Demenz und Vorstufen: Abbau verzögern, Emotionen positiv aufladen

Erhalten Menschen die Diagnose "Demenz" oder stellen sich erste kognitive Defizite ein, übernehmen oftmals Angehörige die Aufgaben, die den Betroffenen selbst nicht mehr gut gelingen. "Genau das fördert den Prozess des geistigen Abbaus zusätzlich", rät daher Anne Wirsing, Ergotherapeutin im DVE (Deutscher Verband Ergotherapie e.V.), von diesem weit verbreiteten Verhalten ab. Zwei Studien geben ihr recht: Alltagspraktische und kognitive Fähigkeiten von Menschen mit leichter bis mittelschwerer Demenz lassen sich für einen bestimmten Zeitraum stabil halten. Die Studien fanden mit Teilnehmer:innen der Gruppentherapie MAKS® statt.

In Alters- oder Pflegeheimen gibt es ebenso wie in Tageseinrichtungen zur Auflockerung des Alltags Angebote wie Gymnastik, Raten und Rätseln, Zeitungsrunde und Ähnliches. Diese Programmpunkte aus kognitiver und motorischer Betätigung sind meist über die ganze Woche verteilt; es findet somit an mehreren Tagen etwas statt. Was einigen Menschen eine Abwechslung bringt, kann für Menschen mit Demenz den Nachteil haben, dass sie das Praktizierte oder Trainierte bis zur nächsten Stunde wieder vergessen haben. Oder nicht optimal einsetzen können. Einen anderen Ansatz verfolgt das Therapiekonzept MAKS®, eine Gruppentherapie für Menschen mit beginnender bis mittelschwerer Demenz. Die Grundidee: alle Elemente bündeln, zusätzlich soziale und alltagspraktische Fähigkeiten trainieren und alles aufeinander aufbauen. Von dieser, dem Abbau entgegensteuernden Vorgehensweise profitieren alle - auch die Fitten.

Soziale Einstimmung frischt Emotionen bei Menschen mit Demenz auf

Das zweistündige Programm, das wenigstens einmal die Woche stattfinden soll, um bei Menschen mit beginnenden kognitiven Defiziten oder Demenz die gewünschte Wirkung zu erzielen, besteht aus vier Modulen zum Fördern der motorischen, alltagspraktischen, kognitiven und sozialen Fähigkeiten. Zunächst geht es darum, ein Thema zu finden, das sich wie ein roter Faden durch sämtliche Module des jeweiligen Treffens zieht. Bei den ersten Treffen schlägt die Ergotherapeutin etwas vor; mit zunehmendem Vertrauen und wachsender Verbindung untereinander entwickeln die Teilnehmenden selbst Ideen. Im ersten Modul, der sozialen Einstimmung, gibt die Ergotherapeutin den teilnehmenden Menschen mit Demenz Impulse, um ihre Emotionen und Erinnerungen anzuregen. Dabei werden eigene biografische Erlebnisse der Teilnehmenden wachgerufen, es entstehen Bilder und Wünsche in ihren Köpfen. "Jedes Thema lässt sich bespielen", sagt Anne Wirsing und nennt exemplarisch unterschiedliche Bereiche, die sie mit ihren Gruppen bearbeitet wie 'Glück', 'Zeit', 'Liebe' oder 'Freundschaft'. "Das Spannende ist", sagt die Ergotherapeutin, "dass die Teilnehmenden beim Hinführen zum Thema ins Nachdenken und Philosophieren kommen oder beginnen, sich eine Meinung zu bilden und diese zu äußern". Wer würde das von Menschen mit einer Demenz vermuten? Befassen sich die Gruppenteilnehmenden etwa mit dem Thema 'Zeit', ist ein zentraler Aspekt der Alltag im Heim. Eine gute Gelegenheit, sich etwas einfallen zu lassen, um die Tage mit mehr erfüllenden Begegnungen und sinnvollen Betätigungen zu verschönern. Ein durchaus erwünschter Nebeneffekt des Programms für Menschen mit Demenz: Wer gemeinsame Interessen hat oder miteinander Neues probieren möchte, findet so leichter zusammen - Kontakte knüpfen funktioniert in diesem zunehmend vertrauten Umfeld wie von selbst. Etwas, das ansonsten in Heimen oder generell unter alten Menschen kaum passiert. "Das Thema 'Freundschaft' wird also nicht nur besprochen, es wird für manche sogar zur Realität", bestätigt die Ergotherapeutin.

Sinnvoll für Menschen mit Demenz: Sauerstoffversorgung plus Koordination im Hirn ankurbeln

Im folgenden Modul 'Motorik' geht es mit Übungen weiter, die das Herz-Kreislauf-System in Gang bringen - optimale Voraussetzungen für das dritte Modul, das kognitive Training. Durch die unterschiedlichen Bewegungsübungen kommt es zu einer besseren Sauerstoffversorgung im Gehirn der Menschen mit Demenz. So lassen sich die motorischen Fähigkeiten besser aktivieren und erhalten und ebenso die Bewegungssicherheit und die Körperwahrnehmung fördern. Ebenso wichtig: Übungen, die die Koordination trainieren. "Ich lasse die Gruppe mit dem rechten Fuß etwas anderes tun als mit dem linken, die Arme gegengleich bewegen und so weiter", erklärt die Ergotherapeutin, wie sich die Koordinationsfähigkeit der Teilnehmenden mit Demenz trainieren lässt. Das regt beide Hirnhälften an, sie verknüpfen sich besser und man geht davon aus, dass dies zusammen mit weiteren Einflüssen Antriebslosigkeit und Stimmungstiefs entgegenwirken kann. Ebenso wie der Humor, mit dem die Ergotherapeutin Anne Wirsing die Stunden auflockert. Das animiert alle, über eigene Missgeschicke und über sich selbst zu lachen. "Diese Generation hat Perfekt-sein und Funktionieren-müssen extrem verinnerlicht - das ist zu relativieren", betont die Ergotherapeutin. Das gilt auch für Übungen zur Stifthaltung und das Schreiben. Das sich verändernde Schriftbild ist eines der Merkmale, an denen eine Demenz bereits früh zu erkennen sein kann. Durch die für Ergotherapeut:innen typische Leichtigkeit und spielerische Art lernen Menschen mit Demenz, Unzulänglichkeiten zu akzeptieren. Die Ergotherapeutin vermittelt ihnen, die Schrift als zweckdienlich zu betrachten. Nicht die schöne, perfekte Schrift, sondern die Schrift, die Menschen mit einer Demenz ermöglicht, ihre Selbstständigkeit zu bewahren, ist die beste Schrift. Mit einer solchen Haltung gelingt es den Betroffenen, das Leben wieder in einem positiven Licht zu betrachten und die Energie für die Dinge einzusetzen, die ihnen wichtig sind.

Gemeinsam mit der Ergotherapeutin zuvor Trainiertes im alltagspraktischen Teil umsetzen

"Jedes Modul hat seinen Sinn und bereitet jeweils auf das folgende vor: an Emotionen und Erinnerungen rühren, die Muskeln ebenso wie die grauen Zellen zu individuellen Höchstleistungen anregen, um im letzten, dem alltagspraktischen Modul, an vorhandene Ressourcen anknüpfen zu können", fasst die Ergotherapeutin zusammen, wie es gelingt, die bestmöglichen Ergebnisse bei den praktischen Betätigungen zu erzielen. Diese richten sich, so wie die Übungen zuvor, am Thema des Tages aus. Am Beispiel des bei vielen beliebten Themas 'Bienen', das im Zuge des Bienensterbens aufkam, erläutert die Ergotherapeutin, weshalb insbesondere der alltagspraktische Teil ein Highlight für alle, auch die anleitenden Ergotherapeut:innen selbst, ist. Die Teilnehmenden produzieren beispielsweise Seedbombs aus Erde, Lehm und Blumensamen und verteilen sie anschließend bei einem Spaziergang in der Umgebung. Die Menschen mit Demenz üben dabei sowohl ihre grob- als auch feinmotorischen Fertigkeiten, ihre sozialen und kognitiven Fähigkeiten werden angesprochen, sie bewegen sich und schlussendlich erleben sie sich als wertvoll und kompetent.

Informationsmaterial zu den vielfältigen Themen der Ergotherapie gibt es bei den Ergotherapeut:innen vor Ort; Ergotherapeut:innen in Wohnortnähe auf der Homepage des Verbandes unter https://dve.info/service/therapeutensuche

Mehr zur Gruppentherapie MAKS®: https://www.maks-therapie.de/

Coronapandemie als „Bewegungs-Killer“

Corona hat die Bevölkerung lahmgelegt: Die tägliche Sitz-Zeit während der Pandemie hat weltweit um 28 Prozent zugenommen. Leistungssport sowie Freizeit- und Gesundheitssport waren starken Einschränkungen unterworfen. Aber auch jenseits von Corona sind Bewegung und Sport zu selten Teil von Diabetes-Therapieplänen, kritisieren Expertinnen und Experten der Deutschen Diabetes Gesellschaft e. V. (DDG). Besonders für chronisch kranke und übergewichtige Menschen sei Bewegung elementar für den Therapieerfolg. Daher hat die AG Diabetes, Sport und Bewegung der DDG Materialien entwickelt, die eine konstruktive Arzt-Patienten-Kommunikation unterstützen und Betroffene zu mehr sportlicher Aktivität animieren.

Homeoffice, geschlossene Schwimmbäder und Fitness-Studios sowie monatelang keine Rehabilitations-, Vereins- oder Schulsportangebote und nicht zuletzt die Sorge, sich beim Verlassen der eigenen vier Wände anzustecken – seit nunmehr zwei Jahren ist das Bewegungsverhalten der Bevölkerung stark eingeschränkt. „Dabei ist besonders in Pandemiezeiten Bewegung wichtiger denn je – insbesondere für chronisch kranke und übergewichtige Patientinnen und Patienten“, gibt Dr. med. Stephan Kress, 1. Vorsitzender der AG Diabetes, Sport und Bewegung der DDG, zu bedenken. „Denn regelmäßige Bewegung verbessert die kardiorespiratorische Fitness und sichert neben der metabolischen und kardiovaskulären Gesundheit eine funktionierende Immunabwehr – was auch entscheidend für einen milden COVID-19-Verlauf sein kann.“

Bewegungstherapie muss Standard in der Diabetesbetreuung werden
Bereits vor Corona haben Sport und Bewegung zu wenig Platz in bestehenden Therapieplänen von Diabetespatientinnen und -patienten gefunden. „Im Alltag eines Diabetes Managements ist es Standard, Therapiepläne für Medikamente, Insulindosierungen oder Ernährung an die Patientinnen und Patienten herauszugeben – bei der wichtigen Bewegungstherapie zurzeit leider noch nicht“, bedauert Kress. Doch gerade für inaktive Menschen mit chronischen Erkrankungen bietet eine strukturierte Bewegungstherapie eine große Chance – auch hinsichtlich einer Diabetes- und Adipositasprävention. „Bewegungsmangel ist ein wesentlicher Risikofaktor für Diabetes Typ 2. Insbesondere Patienten mit Übergewicht sollten daher intensiver bewegungstherapeutisch beraten und betreut werden“, fordert Kress.

Ein Plan mit konkreten Ideen, Empfehlungen und Vereinbarungen
Die AG Diabetes, Sport und Bewegung der DDG hat einen Therapieplan für Bewegung entwickelt. Er unterstützt und strukturiert die ärztliche Bewegungsberatung sowie das eigenmotivierte Bewegungsverhalten und kann sowohl als Erst-Plan als auch als Folgeplan verwendet werden. Darüber hinaus hat die AG eine weitere Gesprächshilfe entwickelt: Mithilfe von 26 Mut- und Sorgenkarten kann der Arzt mit seinem Patienten mögliche Sorgen, Ängste, Wünsche und Chancen besprechen, um so Gründe für oder gegen Bewegung und Sport zusammenzutragen, zu gewichten und in den Kontext einer bewussten Therapieentscheidung zu stellen. „Jede körperliche Aktivität ist besser als keine“, resümiert der Diabetologe. Wichtig sei, die Bewegung nachhaltig in den Alltag zu integrieren, individuell anzupassen und dann sanft zu steigern. Ähnlich wie bei Medikamenten hängt die gewünschte Wirkung der Bewegung von der richtigen Auswahl und Dosierung ab. Dabei ist es für den Erfolg der Bewegungstherapie wichtig, Bewegungsform, Reizdauer, Reizumfang und Intensität festzulegen. „Eine individuelle Ausgestaltung des Therapieplans ist ausschlaggebend dafür, ob und wie lange der Patient `bei der Stange bleibt´“, so Kress.

Tipps für mehr Bewegung im Alltag:

  • Beim Telefonieren oder Zähneputzen auf einem Bein stehen.
  • Treppensteigen statt Fahrstuhl oder Rolltreppe fahren.
  • Hausarbeit oder Gartenarbeit als Bewegungschance nutzen.
  • Arbeitsweg zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurücklegen.
  • Mehr Fußwege einplanen (zum Beispiel eine Haltestelle früher aus dem Bus oder Zug aussteigen).
  • Längeres Sitzen regelmäßig durch Stehen oder Bewegung unterbrechen (im Homeoffice, bei Zugfahrten, am Arbeitsplatz, bei Wartezeiten).

Literatur:
Arbeitsgemeinschaft Diabetes, Sport und Bewegung der DDG, Bewegung während und nach der Pandemie in Deutschland, Deutscher Gesundheitsbericht Diabetes 2022, S. 33ff.

12.05.2022 DGA | Quelle: Deutsche Diabetes Gesellschaft e.V.

Stöhnen in der Nacht?

Wir alle tun es und für viele ist es selbstverständlich – Schlafen. Zwei spannende Fakten dazu, bevor wir mit rückengerechtem Bettgeflüster loslegen: 1. Wir verschlafen 24 Jahre unseres Lebens bei einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 80 Jahren. 2. Wir träumen mehr als sechs Jahre im Laufe unseres Lebens.

Beides ist wichtig, denn zum einen werden wir ohne ausreichend Schlaf krank und zum anderen werden im Schlaf Reize und Informationen verarbeitet, die dem Körper helfen zu regenerieren – so die Theorie. Viele Menschen schaffen es jedoch nicht, gut ein- und durchzuschlafen. Das Bett wird infolge von Rückenschmerzen zum Ort der Unruhe und der Schlafmangel zum Energieräuber. Was kann helfen? Die Aktion Gesunder Rücken e.V. (AGR) nimmt Bett und Zubehör unter die Lupe.

Ab in die Kiste

Gute Nacht!? Ist das Bett zu niedrig, kann schon das Schlafengehen schnell zur Belastung werden. Empfehlenswert für bequemes Ein- und Aussteigen ist eine Betthöhe von mindestens 45 bis 55 cm. Während des Schlafs wird die Wirbelsäule am besten durch ein Bettsystem unterstützt. Dieses ist rückenfreundlicher als ein herkömmlicher Lattenrost mit Matratze. Man unterscheidet in Bettsysteme mit flexibler Unterfederung, die individuell anpassbar sind, und System-Unterfederung mit Fokus auf die Matratze. Beide Systeme unterstützen die Wirbelsäule und fördern nächtliche Haltungswechsel. Denn: Bewegung im Schlaf unterstützt die Regeneration der Bandscheiben, fördert die Durchblutung der Muskulatur und hilft zugleich zu entschlacken. Ein gesunder Mensch ändert seine Schlafposition bis zu 60 Mal pro Nacht. Das Bett sollte daher mindestens 100 cm breit und 20 cm länger als die Körpergröße sein. Gute Belüftung und Luftzirkulation fördern zudem die Schlafqualität und unterstützen die Muskulatur bei der Entspannung. Übrigens: Die empfohlene Nutzungsdauer für eine Bettunterfederung liegt bei durchschnittlich 8 bis 10 Jahren. Bettsysteme der Hersteller Lattoflex und Metzeler entsprechen den strengen ergonomischen Anforderungen einer medizinisch bzw. therapeutischen Expertenkommission und tragen das AGR-Gütesiegel. Mehr zu AGR-geprüften Betten finden Sie hier: www.agr-ev.de/betten.

Da (f)lieg ich drauf

Gerade, wenn eine Matratze für den eigenen Rücken zu hart, zu weich oder bereits durchgelegen ist, wird nicht nur das Schlafgefühl gestört. Die Wirbelsäule und ihre Strukturen können sich nicht erholen. Gute Matratzen sollten sich daher den unterschiedlichen Rückenpartien anpassen können: in Seitenlage im Schulter- und Beckenbereich nachgeben, in Rückenlage im Gesäßbereich. „Jeder Schläfer hat zudem andere Vorlieben, daher müssen Matratzen in unterschiedlichen Festigkeiten angeboten werden – so können auch Paare ihrem individuellen Liegeempfinden nachgehen. Die „One fits all“ Matratze gibt es nicht“, so Detlef Detjen, Geschäftsführer der AGR. Ein reines oder gar zu tiefes Einsinken, wie zum Beispiel oftmals beim Wasserbett, ist aus Sicht des Rückens dagegen eher ungenügend. Für einen bequemen Schlaf werden auf der Matratze mindestens 100 Zentimeter Platz benötigt. Leicht abnehmbare reinigungsfähige Matratzenbezüge sorgen für ein wohliges Frischegefühl – hier gibt es natürlich auch spezielle Textilien für Allergiker, Rheumatiker und temperaturempfindliche Schläfer. Was die Nutzungsdauer angeht, sollten Matratzen maximal acht Jahre in Gebrauch sein.

Reine Kopfsache? Das Kissen soll Kopf und Nacken stützen, sodass der Hals und die Wirbelsäule in jeder Lage eine Linie bilden. Die Unterstützung und Entlastung beugt oft Schmerzen und Fehlhaltungen vor oder kann sie vermindern – für einen ruhigeren Schlaf. Allerdings entsprechen die meisten Kopfkissen nicht dem Stand wissenschaftlicher Erkenntnisse. Das Problem ist, dass jeder Mensch seine individuelle Kopf- und Nackenform, unterschiedliche Schulterbreite und ganz persönliche Schlafgewohnheiten hat. Außerdem beeinflusst das verwendete Bettsystem die Schlaflagerung. Ideal ist deshalb ein variables Kopfkissen mit den Traummaßen 40 x 80 cm. Es sollen nur Kopf und Nacken darauf liegen, sonst kommt es zu Fehllagerungen und Muskelverspannungen. Die Verarbeitung ist ideal, wenn sich die Kissenform zum Beispiel durch unterschiedliche Füllungen und Kammern anpasst. Was die Höhe angeht: In Seitenlage darf der Kopf weder nach unten absinken noch nach oben angehoben werden. Wichtig ist zudem, dass das komplette Kissen waschbar ist. Das Material sollte atmungsaktiv sein. Unterm Strich ist bei der Wahl natürlich auch das individuelle Wohlfühlen ausschlaggebend.

Komm unter meine Decke?

Nein bitte nicht, zumindest nicht, wenn es um erholsamen Schlaf geht. Denn jeder Schläfer hat sein eigenes Wärmeempfinden, mal ganz abgesehen vom nächtlichen Kampf um die Bettdecke, die den Schlaf ebenfalls erheblich stören könnte. Das Schlafklima spielt für gesunden Schlaf eine wichtige Rolle. Mit der richtigen Bettdecke fällt es viel leichter die ganze Nacht erholsam durchzuschlafen. Unter anderem gelten Füllfasern, die einen sogenannten thermophysiologischen Effekt haben, als ideal. Klingt kompliziert, ist es aber nicht. Es bedeutet nichts anderes, als dass die Fasern für ein temperaturausgleichendes und komfortables Schlafklima sorgen. Es gibt Fasern für die kalten Wintermonate, die einen angenehm warmhalten und Fasern für die Sommerzeit, die, wissenschaftlich nachgewiesen, sogar einen kühlenden Effekt haben. Gut für einen erholsamen Schlaf ist eine Temperatur von 28 bis 33 Grad unter der Bettdecke. Wichtig ist darüber hinaus auch die Größe der Bettdecke. Sie sollte den Körper während der ganzen Nacht komplett umhüllen, so dass es nicht zu Beeinträchtigungen durch Zugluft kommt.

Na dann, gute Nacht

Letzter Tipp: Am besten einfach ausprobieren! Beim Kauf empfiehlt es sich, wenn möglich, Bett, Matratze und Kopfkissen gemeinsam auszutesten. Helfen können Ihnen dabei die ausgebildeten Schlafexperten in AGR-zertifizierten Fachgeschäften – sicher auch in Ihrer Nähe. Schauen Sie doch mal unter www.agr-ev.de/fachgeschaefte und machen Sie gleich einen Termin beim AGR-Experten in Ihrer Nähe.

Denn neben Lärm und psychischen Problemen ist die Ursache für einen gestörten Schlaf oft eine mangelhafte Qualität des Bettes und Zubehörs. Da das optimale Schlafklima bei 16 bis 18 Grad Zimmertemperatur liegt, empfiehlt sich zudem Stoßlüften vor dem Zubettgehen. Um vor dem Schlafen zur Ruhe zu kommen, hilft Bewegung, zum Beispiel in Form eines Spaziergangs und auch der Verzicht von Smartphones und Tablets. Na dann – gute Nacht!

10.05.2022 DGA | Quelle: Aktion Gesunder Rücken (AGR) e.V.

Gaming-App für Kinder mit Gangproblemen

Kinder mit Problemen beim Gehen müssen natürliche Bewegungsabläufe mühsam neu lernen. UX Designerin Fabienne Erben entwickelte an der HM eine App für Beinorthesen mit sensibler Sohle, die das Training mit kindgerechten Spielen unterstützt. Gamification soll die intrinsische Motivation der kleinen Patienten fördern und damit ihre Entwicklung und Teilhabe am sozialen Leben.

„Setz Dich einmal hin wie ein Frosch und dann strecke Dich ganz hoch wie ein König oder eine Königin!“, so bildlich spricht Fabienne Erben von der Fakultät für Design der HM mit den Kindern, die ihre Gaming-App testen. Hier geht es um das Spiel „Feed the Dino“, bei welchem die Kinder eine virtuelle Banane vom Boden aufheben und einem Dino hinaufreichen sollen. Das trainiert schon recht komplexe Bewegungsabläufe. Die kleinen Adressaten der Anwendung haben aufgrund von Erkrankungen wie Zerebralschäden oder entzündlichem Rheuma oft ganz unterschiedliche Gangprobleme. Gemeinsam ist ihnen, dass sie natürliche Bewegungsanläufe mit aktiven Orthesen am Bein wieder neu lernen müssen. Ein mühsamer Prozess, der ihnen viel Motivation abverlangt.

Aktive Orthesen für Kinder Das Forschungsvorhaben, das auf Gamification für die Motivationssteigerung der Kinder beim Training setzt, leitet HM-Professor Ulrich Wagner. Das Projekt „Kostengünstige aktive Orthese zur Rehabilitation und Analytik von kindlichen Bewegungsstörungen“ (KORA) entwickelt eine aktive Beinorthese, die mitwachsen kann und kostengünstig aus dem 3D-Drucker kommt. Diese ist mit einer Sohle mit Sensoren versehen, welche die Bewegungsabläufe der Kinder erkennen, aufzeichnen und schließlich Feedback zur Zahl der „richtigen“ Schritte geben kann. Das ist als Rückmeldung zum Trainingsfortschritt für Ärzte, Physiotherapeuten und Eltern wichtig.

Kindgerechte Gaming-App für das Training Doch Kinder als Nutzer der Trainingsapp benötigen mehr als Zahlen oder Erfolgsstatistiken, um bei dem oft schmerzhaften Training langfristig mitzuarbeiten. Fabienne Erben entwickelte in ihrer Bachelorarbeit deshalb eine Gaming-App, in der sechs Spiele den Patienten kindgerecht Feedback zu ihren Erfolgen geben und Spaß am Training vermitteln. Jedes Spiel übt andere, einfache oder komplexe Bewegungsabläufe ein, die das gesamte Feld möglicher Trainings abstecken. Die Untergliederung der Bewegungsabläufe in unterschiedliche Spiele hat den Vorteil, dass mit wechselnden Spielen auch wechselnde Muskelgruppen trainiert werden.

Nach dem Einloggen und dem Kalibrieren der App auf das Kind durch Betreuer, kommen erste Spieleempfehlungen, welche die Anwendung aus der Analyse oder auch die Betreuenden vorher auswählen. Die breite Altersgruppe von drei bis sechs Jahren ergibt sich aus den Krankheitsbildern. Meist werden Gangprobleme ab dem Alter von drei Jahren erkannt. Die Spiele sind in der Bildsprache und Spielablauf auf diese Altersgruppe ausgelegt. Während die Kinder Zugang zu den Spielen haben, können Eltern via PIN-Code Analysedaten zur Anzahl der „richtigen“ Schritte abrufen, die für den Fortgang des Trainings relevant sind.

UX Design für die Zielgruppe Kinder Kinder sind keine alltägliche Zielgruppe im User Experience Design (UX Design) im Physiotherapiebereich, das Produkte spezifisch auf die Erfahrungen der Nutzer zuschneidet. Zu klein ist ihr Marktanteil, der Aufwand deshalb wirtschaftlich nicht lohnend. Und Kinder ticken anders: „Sie sind eher über bildliche Sprache zu erreichen und ihre Motivation ist eher intrinsisch, anstatt wie bei Erwachsenen von äußeren Reizen wie einem Belohnungssystem angetrieben“, sagt Erben. Diese Erkenntnisse zog sie aus Gesprächen mit Eltern, Physiotherapeuten, Erziehern sowie Ärzten und den Kindern.

Obwohl Fachliteratur zum UX Design zu Spielen für Kinder existiert, gelangt diese nur selten in die Hände der Praktiker in den Designagenturen. Diese Lücke zwischen Theorie und Praxis möchte Erben mit ihrem kleinen Handbuch zum UX Design für Kinder schließen. Für das Projekt KORA hat sie ihr Ziel bereits erreicht, das haben ihre Tests ergeben: „Den Kindern macht die App Spaß! Mein Ziel ist das, was mir eine heute erwachsene Betroffene erzählte: Dass die Spiele so viel Spaß machen, dass auch gesunde Kinder sie spielen wollen!“ Für das Projekt KORA ist die Gaming-App nach der Hardwareentwicklung ein weiterer Meilenstein. Einer der nächsten Schritte ist die weitere Optimierung der Orthesen.

KORA Das Projekt „Kostengünstige aktive Orthese zur Rehabilitation und Analytik von
kindlichen Bewegungsstörungen“ (KORA) läuft im Rahmen der “Photonik Forschung Deutschland – Licht mit Zukunft“ im Förderprogramm „Open Photonik Pro“. Gefördert durch das BMBF mit 644.000 Euro arbeitet die Fakultät für angewandte Naturwissenschaften und Mechatronik mit ihren Kooperationspartnern, dem Institut für Rehabilitation, Transition und Palliation von neurologisch kranken Kindern in Salzburg, der Schön Klinik Vogtareuth sowie mit TQ Systems GmbH in Seefeld von 1. April 2021 bis 30. September 2024 an diesem Projekt. Projektträger ist der VDI.



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